(Beitrag aus "Angele-Info 2007", S. 6)
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts tauchte in der Umgebung von Biberach erstmals der Name „Angelin“ in einer Urkunde auf und die Namensträger waren als Bauern oder Handwerker tätig. Erst allmählich gelang es Einzelnen, das Bürgerrecht in der nahe liegenden Stadt zu erwerben. Der Süßbeck Michel Angelin schaffte es sogar, Mitglied des großen Rats in der Stadt Biberach zu werden. Um 1521 fasste die Reformation auch in Biberach Fuß und die Angelin schlossen sich dem neuen Glaubensbekenntnis an.
Am 13. August 1601 wurde den Eheleuten Michel und Catharina Angelin ein Sohn geboren, der den Namen Jacobus erhielt.
Der Junge wuchs in Biberach auf, ging zur Schule. Sein Studium hat er 1620 in Tübingen mit der Verleihung des Magisterdiploms beendet. Er scheint ein guter Prediger gewesen zu sein und eines Tages wurde Herzog Joh. Friedrich zu Württemberg auf ihn aufmerksam und unter Mitwirkung der Gräfin Witwe zu Löwenstein auf die Löwensteiner Pfarrei berufen. Schon mit 20 Jahren begründete er 1621 einen eigenen Hausstand und heiratete in Stuttgart Magdalena Brantzen, die ihm 7 Kinder schenkte. Die Grafschaft Wertheim gelangte in den Besitz des Hauses Löwenstein und Jacobus wurde nach Wertheim versetzt. Zur gleichen Zeit wurde ein neuer Superintendent, Magister Wilhelm Gräter, berufen.
Als 1640 Superintendent Gräter starb, folgte ihm Jacobus im Amte nach.
Der 30-jährige Krieg tobte in deutschen Landen. Wertheim und seine Bewohner wurden nicht verschont. Zu den Kriegslasten und Seuchen kam die damalige Inflation hinzu. Die Besoldung von Jacobus war nicht üppig. Sie beruhte noch auf den Verhältnissen des vorauf gegangenen Jahrhunderts und bestand teilweise aus Naturalien und wurde vom Chorstift getragen. Die Einnahmen des Stifts gingen gewaltig zurück; hatte er nichts, konnte er auch nichts geben. Die einzigen Einnahmen waren oft nur ein paar Kreuzer aus Taufen, Heiraten und Todesfällen.
Die Kontributionen der Besatzer waren so hoch, dass die Stadt eine Anleihe nach der anderen machen musste und die Bürger ihre Habseligkeiten in Frankfurt verkauften, weil in Wertheim keine Käufer mehr zu finden waren.
1635 starb seine Frau, die ihm 7 Kinder geboren hatte. Im Jahr darauf heiratete er die Witwe des Pfarrers Faber. Diese Ehe war mit 6 Kindern gesegnet, darunter Philipp Jacob, der spätere Pfarrer von Hasloch.
Von den vier Pfarrstellen waren drei nicht mehr besetzt. Es ergab sich daher ganz von selbst, dass Angelinus für die vier evangelischen Pfarrstellen verantwortlich war.
Als Superintendent hatte er im Gebiet der Grafschaft seinen Amtspflichten nachzukommen. Die Regierung verlangte ausführliche Gutachten in kirchenrechtlichen Fragen, in Hexenprozessen und Ehescheidungen. Junge Geistliche mussten geprüft und ordiniert werden. Auch das gesamte Schulwesen war ihm anvertraut.
Jacobus Angelinus korrespondierte u.a. mit den höchsten Nürnberger Geistlichen und dem Schweinfurter Superintendenten. Dort war sehr wohl bekannt, dass der Fortbestand der evangl. Lehre in Wertheim stark bedroht war und in welch gefährlicher Lage Angelinus jahraus und jahrein aushielt.
Durch die äußeren Umstände und Drangsale bedingt, ließ seine Schaffenskraft nach und er klagte „Solange einer sein Amt noch verrichten kann, lässt man ihn noch etlichermaßen passieren; wenn aber die Körper- und Geisteskräfte abnehmen, vergeht mit ihnen aller Dank, Fleiß, Leid und Treu, und bei lebendigem Leib wird einer vergessen wie ein Toter.“
Bei aller Not und Trübsal auch nach dem Frieden von 1648 hielt er über seinen Bruder Johannes, Conrektor in Stuttgart, die Verbindung zu seiner Heimat Biberach, die er der Umstände wegen nicht mehr besuchen konnte.
Trost und Freude gab ihm seine Großfamilie. Sein ältester Sohn Johann Wilhelm wurde Pfarrer in Erlenbach bei Öhringen wie auch der Sohn Philipp Jakob, der Pfarrer in Hasloch wurde. Der Bruder von Jacobus, der 1603 geborene Johann ergriff ebenso die theologische Laufbahn und wurde später Superintendent in Nürtingen. Wiederum dessen drei Söhne wurden Pfarrer in Markgröningen, Kirchheim und Grünwettersbach.
Am 8. November 1659 starb Jacobus Angelinus in Wertheim und wurde dort am 10. November beerdigt. Die gräfliche Familie wollte ihm ein Ehrengrab in der Kirche errichten. Sein letzter Wille war aber, bei seinem Pfarrvolk begraben zu sein. Auf dem Wertheimer Friedhof erinnert eine sehr bescheidene Platte an den großen Toten.